Dabei müssen laut E-Government-Gesetz seit dem 1. Jänner 2008 zumindest alle behördlichen Internet-Auftritte in Österreich für behinderte Menschen ohne Einschränkungen zugänglich sein. Und eigentlich gilt diese Vorgabe auch für die Websites von Untenehmen und Organisationen. Denn das österreichische Behindertengleichstellungsgesetz verbietet Diskriminierung auch für „Systeme der Informationsverarbeitung".
Barrierefreiheit im Internet hat eine inhaltliche Ebene. So ist etwa für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen eine besonders einfache, klare Sprache mit möglichst kurzen Sätzen notwendig. Websites von Organisationen, die mit geistig behinderten Menschen arbeiten, müssen dies vermehrt berücksichtigen.
Auf den sprachlichen Aspekt der Barrierefreiheit muss also beim Texten für die Website geachtet werden. Das ist keine Kostenfrage, eher eine Frage des Wissens - es muss "nur" berücksichtigt werden.
Bei der technischen Barrierefreiheit geht es vor allem um Bedienerfreundlichkeit. Wichtigste Zielgruppe dieser Maßnahmen sind Menschen mit Sehbehinderung, farbenblinde Menschen und die stetig wachsenden Zahl von Senioren, die das Internet nutzen. Für sie sind Websites mit zu kleiner Schrift, schlecht erkennbaren Kontrasten oder ungünstigen Farbzusammenstellungen oft unbenutzbar. Probleme für Hörgeschädigte entstehen dann, wenn zur Bedienung einer Homepage akustische Signale Bedeutung haben und keine nicht-akustischen Alternativen existieren.
Bei diesen technischen Aspekten sind also Webdesigner und Internet-Programmierer angesprochen.
Früher war es technisch aufwändig (und dadurch teuer), gute behindertenfreundliche Websites zu bauen. Oft musste eine komplette Website in barrierefreier Version zusätzlich realisiert werden, da die technischen Beschränkungen keine andere Lösung zuließen. Heute trifft dies nicht mehr zu, da ein einfacheres System zur Verfügung steht.
Die Grundlagen dafür sind seit mehreren Jahren vorhanden - kein Web-"Designer" muss heute noch seine Kreationen mit veraltetem "Tabellen-Layout" aufbauen, um dann für viel Geld (und noch mehr "Hacks") jeweils eigene Site-Versionen für Internet Explorer, Firefox, Opera und Netscapes (un)seligen Navigator - oder eben behinderte Besucher - zu entwickeln.
Daher ist Barrierefreiheit heute keine Kostenfrage mehr, sondern eher eine Frage des Know-hows.
Der Vorwurf, dass barrierefrei gleich hässlich ist, hat früher wirklich zugetroffen. Doch mit der heutigen Technik macht es für die optische Qualität einer Site überhaupt keinen Unterschied mehr, ob barrierefrei gearbeitet wird oder nicht. Die Programmierung oder zentrale Änderungen an der Struktur oder dem Layout einer Website gehen deshalb auch nicht langsamer vonstatten, eher im Gegenteil.
Für den Sehbehinderten, der sich die Inhalte einer Internet-Seite vorlesen lässt, bedeutet "semantische Programmierung" eine enorme Hilfe: Er oder sie erhält von der Sprachausgabe seines Lesegeräts nicht so sinnlose Angaben wie „Tabelle Breite 100%, Tabellenzeile, Tabellenzelle Breite 80%, Hintergrundfarbe C1F34A, Schriftart Arial, fett, 14 Punkt, blau, aktuelle News".
Bei der behindertengerechten sematischen Programmierung fällt dieses technische „Hintergrundrauschen" weg. Nur wirklich Sinnvolles bleibt erhalten - im genannten Beispiel die Meldung „Überschrift, aktuelle News". So kurz und bündig, wie es auch für Nicht-Sehbeeinträchtigte am Bildschirm steht.
Auftraggeber sollten die nötigen Kenntnisse von ihrer Webagentur einfordern, wenn diese nicht von sich aus darauf achtet. Denn dieses Wissen bietet nicht nur Behinderten Vorteile.
Einen gravierenden Vorteil bietet das hürdenfreie Web: Suchmaschinen tun sich beim Indizieren semantisch programmierter Websites leichter: Google erkennt die Inhalte barrierefrei nach Webstandards aufgebauter Seiten leichter und sicherer als andere. Entsprechend bessere Platzierungen bzw. eine größere Vielfalt von Suchbegriffen, mit denen solche Seiten gelistet werden, sind die Folge.
Zudem können Inhalte von semantisch programmierten Sites viel leichter auf andere Geräte übertragen werden - etwa auf Handydisplays. Ohne viel Zusatzaufwand und ohne exorbitante Kosten. Technische Barrierefreiheit ist also auch eine Investition in die Zukunft.
Angesichts dieser Vorteile verwundert es, dass Barrierefreiheit noch so selten ein Thema ist. Nur ein paar Prozent aller österreichischen Websites verdienen diese Bezeichnung tatsächlich. Und selbst der „große Blinde" Google kümmert sich, wenn es um die eigene Online-Präsenz geht, kaum um Standards. Zahlreiche HTML-Fehler "zieren" die Google-Suchseite.
Die Berücksichtigung der Anforderungen an barrierefreie Websites ist eigentlich für ALLE Besucher vorteilhaft, da sie Bedienbarkeit, Nutzbarkeit und Zugänglichkeit des Internets insgesamt erhöhen. Das meiste davon ist nicht einmal eine technologische oder finanzielle, sondern eine Bewußtseinsfrage.
Es kommt nicht darauf an, sofort ALLE Richtlinien und Anforderungen zu 100% umzusetzen. Es kommt darauf an, JETZT damit zu BEGINNEN und bei jedem Projekt zunehmend mehr davon zu berücksichtigen.
Die in den letzten Jahren von interact!multimedia hergestellten Websites entsprechen in weiten Bereichen und immer mehr diesen Anforderungen. Auch versuchen wir, bei unseren Kunden im Rahmen der Projekte das Bewusstsein für das Thema zu fördern.
Versuchen Sie mal diese Links!
World Wide Web Consortium (W3C) >>
Site-Prüfung auf fehlerfreies HTML >>
Web Accessibility Initiative (WAI) >>
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